So gut wie alle uns bekannte Viren verbreiten sich gleichmäßig schnell. Das war und ist beim HI-Virus anders und deshalb aus epidemiologischer Sicht besonders interessant.
Der HI-Virus 1 des Subtypes B, zur Hauptgruppe M gehörig, war der erste Aids-Erreger, der entdeckt wurde. Er tauchte zum ersten Mal im Jahre 1930 in zentralafrikanischen Ländern auf. Internationale Forscherteams gelangten nun zu der Auffassung, dass dieses Virus in den 60 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Afrika aus auf die Karibikinseln, genauer gesagt nach Haiti, gelangte. Die Untersuchungen belegen weiterhin, dass das Virus sich zunächst innerhalb Haitis ausbreitete. Der Tatsache, dass auf Grund der Armut im Lande nur wenige Haitianer die finanziellen Mittel hatten zu reisen, ist es geschuldet, dass das Virus zunächst im Lande verblieb. Auch ist Haiti kein ausgesprochenes Urlaubsland, deshalb war die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung von Touristen relativ gering. Irgendwann musste es aber einmal geschehen, dass das Virus die Insel verlässt und sich in anderen Teilen der Welt ausbreitet. Dies traf dann die USA Ende der 60 er Jahre des 20. Jahrhunderts. Hier breitete sich das Virus zunächst nur sehr langsam innerhalb der heteresexuellen Bevölkerungsschichten aus. Erst als das HI-Virus auch auf homosexuelle Männer übersprang, steigerte sich die Ausbreitungsrate beträchtlich. Innerhalb dieser Hochrisiko-Gruppe ist die Gefahr einer Ansteckung deutlich stärker gegeben.
In den 80 er Jahren des letzten Jahrhunderts musste man in den USA bereits von einer AIDS-Epidemie sprechen. Von hier schwappte die AIDS-Welle in den 90 er Jahren auch nach Europa herüber. Noch jedoch schien es einige Länder zu geben, die von der Epidemie verschont zu bleiben schienen. Dies waren im Besonderen die ost- und südosteuropäischen Staaten des ehemaligen Ostblocks. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges wurden jedoch auch diese Länder in Mitleidenschaft gezogen. Hier schlug das HI-Virus sogar noch härter zu. Die Menschen waren dieser Gefahr gegenüber unvorbereitet und der drastisch sinkende Lebensstandard, den ihnen der Kapitalismus einbrachte, öffnete die Tore für Prostitution und Drogenhandel.
Die in den 90 er Jahren einsetzende Fernreisewelle brachte das HI-Virus auch und besonders nach Südost-Asien. Hier traf die Epidemie die Menschen ebenso unvorbereitet wie in Osteuropa.
Der Lebensstandard war ähnlich niedrig und der humane Nährboden für eine grassierende Ausbreitung von AIDS, vor allem durch europäische und amerikanische Touristen, bereitet.
Inwiefern und mit welcher Dynamik sich das Virus auf seinem Ursprungskontinent Afrika ausbreitete, ist epidemiologisch noch nicht erhellend aufgeklärt. Es mag sein, dass hier dieses Virus schon lange Zeit zu Erkrankungen und Todesfällen führte, ohne dass man diese dem HI-Virus zuordnen konnte.
